Umweltbewegung

§

┬ę Archiv B├╝rgerbewegung Leipzig / Frank Heide Foto 019-002-001

Arrc

"... Und die Fische im Fluss sind die Heimat / Und wir lieben die Heimat, die sch├Âne / und wir sch├╝tzen sie, weil sie dem Volke geh├Ârt ..." ÔÇô DDR-Pionierlied "Unsere Heimat"

Umweltbewegung

1

Stell dir vor, du stehst mit einer anderen Person im Aufzug, pl├Âtzlich f├Ąngt es an zu stinken. Du schaust dein Gegen├╝ber an und sagst: "Hier stinkts doch, hast du etwa ...?" Und der/die Andere ruft schnell: "Ich hab nichts gemacht und ich finde auch, hier stinkt┬┤s ├╝berhaupt nicht." ÔÇô Aber es stinkt und da du es nicht warst ...
Ungef├Ąhr so m├╝ssen sich viele DDR-B├╝rger:innen gegen├╝ber ihrer Regierung in Sachen Umweltverschmutzung gef├╝hlt haben. Offiziell gab es in der DDR keine Umweltprobleme. Aber die Menschen in der DDR konnten buchst├Ąblich einigen ihrer W├Ąlder und Fl├╝sse beim Sterben zuschauen. Sie sahen die schwarzen Smog-Ablagerungen auf ihren Fenstersimsen und sie sp├╝rten sie in der Lunge. Was macht man da? Wie geht man gegen ein Problem vor, das offiziell nicht existiert?
 

2
Der DDR-Umweltaktivist Frank Sellentin beantwortet die Frage so f├╝r sich.
§

┬ę Archiv B├╝rgerbewegung Leipzig / ZZI - 029

Arrc
3
§

┬ę Christlicher Arbeitskreis Weltumwelttag

Archiv B├╝rgerbewegung Leipzig / S 076-1989-04 Deckblatt Info-Heft Plei├če

Arrc
4

Aufgabe

R├Ątselhaftes Bild

  1. Formuliere deine erste Gedanken zur Grafik┬á"Die Plei├če", die 1989 als Titelbild eines Samisdats in Leipzig genutzt wurde.
    1. Was ist zu sehen?
    2. Was ist seltsam an der Darstellung?
    3. Was k├Ânnte eine m├Âgliche Aussage des Bildes sein?
  2. ├ťberlege dir einen m├Âglichen┬áTitel oder eine Bildunterschrift f├╝r die Grafik!

1. Die Umweltsituation in der DDR

5

Nach offiziellen Darstellungen in den Medien gab es in der DDR keine gravierenden Umweltprobleme. Umweltdaten, die den Grad der Verschmutzung von Luft, Boden und Wasser h├Ątten belegen k├Ânnen, wurden von der Staatsregierung streng geheim gehalten. Doch es gen├╝gte ein Blick vor die Haust├╝r, ein Ausflug ins Erzgebirge oder ein Gang durch den Betrieb, um zu begreifen, dass die DDR-Regierung bei der Umweltsituation verschwieg, vertuschte und betrog.

Besonders erschreckend war das Ausma├č der Zerst├Ârung im Uran- und Braunkohlebergbau und im Umfeld der Chemiekombinate Halle-Leipzig-Bitterfeld. Mondlandschaften, Kloaken und giftige Chemiecocktails in Gew├Ąssern waren die Folgen einer desastr├Âsen DDR-Wirtschaft. Begleiterscheinungen wie schwere Atemwegserkrankungen bei kleinen Kindern r├╝ttelten die Betroffenen wach und lie├čen sie nach Ursachen fragen.

6
Die Doku Das Lied
Umweltverschmutzung in der DDR ÔÇô wie gro├č war sie wirklich? | MDR DOK
§
Eine 10-min├╝tige mdr-Doku zur Umweltsituation in der DDR
Kopf im Sand
§
Das Lied "Kopf im Sand" des DDR-Liedermachers Gerhard Sch├Âne legte 1989 den Finger in die Wunden.

https://www.youtube.com/@MDRDOK

https://www.youtube.com/channel/UCAPAshUFMFvAAesVXbI0oBw

Die Doku Das Lied
7

Text

Zum Lied "Kopf im Sand" von Gerhard Sch├Âne

Was ist das, das die Luft verdreckt?
Was ists, woran der Baum verreckt?
Was flie├čt da in den Flu├č hinein?
So schlimm wirdÔÇÖs wohl nicht sein.

Die Fichtelberger Fichten,
auf die k├ÂnnÔÇÖ wir verzichten!
Ich hab geh├Ârt, die z├╝chten
jetzt neue B├Ąume ran,

die noch mehr Gift vertragen.
Man kann sich nicht beklagen.
Und keiner braucht zu fragen,
was keiner wissen kann.

Refr.:

Wir m├╝ssen vertrauen ÔÇô den Kopf im Sand,
Vertrauen ÔÇô am Felsenrand.
Vertrauen ÔÇô spieln ÔÇ×Blinde KuhÔÇť.
Und raus bist du!

Der M├╝ll, den uns der Westen schickt,
wird in die Erde neigedr├╝ckt.
Und was da drinsteckt, wei├č kein Schwein.
So schlimm wirdÔÇÖs wohl nicht sein.

Im Seifenladen stehen
die Spr├╝hdosen zum sprayen.
Willst du┬┤s Ozonloch sehen
dann kauf die alle ein.

Bespr├╝h das Klo, die Wanne,
den Hals, die Zimmertanne,
den Bauch von Marianne,
denn so schlimm wird┬┤s nicht sein.

Refr.:

Wir m├╝ssen vertrauen ...

Das Wasser von der Havel,
stell niemals auf die Tafel.
Mit Wasser aus der Luppe
kocht keiner seine Suppe.
Das Wasser aus der Elbe
ist auch nicht mehr das Gelbe.
das Wasser aus der Oder
Reimt sich nur noch auf Moder.
Das Wasser aus der Plei├če,
.........................Schei├če.
Die Mulde hinter Glauche,
........................Jauche.
Im Wasser von der Saale
vergiften sich die Aale.
Das Wasser von der Spree
tut keinem Fisch mehr weh.

Refr.:

Wir m├╝ssen vertrauen ...

Als Tschernobyl in Strahlen stand,
gabÔÇÖs Gurken am Gem├╝sestand.
Bei uns war eitel Sonnenschein,
denn so schlimm wirdÔÇÖs nicht sein.

Wenn heutÔÇÖ die Luft so sauer riecht,
das Baby kaum noch Atem kriegt
und gr├╝n und blau im Bettchen liegt,
dann stell das Radio an!

Ruf auch die Auskunft an und frag!
Schau nach im Tageblatt vom Tag!
VerpassÔÇÖ nicht, was das Fernsehn sagt!
Vielleicht erf├Ąhrst du dann:

Refr.: 

Wir m├╝ssen vertrauen ...

Gerhard Sch├Âne, 1989

8

Aufgabe

  1. Erstellt in Partner- oder Gruppenarbeit eine Mindmap zum Thema Umweltverschmutzung in der DDR (z.B. mit diesem Tool). Geht dabei auf die unterschiedlichen im Film gezeigten Aspekte der DDR-Industriepolitik und deren Konsequenzen ein. ODER
  2. Verfasst einen kurzen Text zum Lied "Kopf im Sand", in dem ihr erkl├Ąrt, was und wie Gerhard Sch├Âne hier kritisiert. Geht dabei auch auf den Wechsel des Musikstils zwischen den Strophen und dem Refrain ein.

2. Aber was ist denn mit der Plei├če?

9
§

Urheber: Elop

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Einzugs-_und_Flussgebietskarte_Pleisse.png?uselang=de

Cc3BYSA

Karte des Flusseinzugsgebiets der Plei├če

Die Plei├če ist ein fast 100 km langer Fluss in Sachsen. Sie entspringt in der N├Ąhe von Zwickau, flie├čt Richtung Norden und m├╝ndet hinter Leipzig in die Wei├če Elster. Sie durchfloss dabei s├╝dlich von Leipzig eines der wichtigsten Industriezentren der DDR.

Heute sieht man es an den vielen tollen Seen in dieser Gegend ÔÇô ehemalige, nun geflutete Braunkohlegruben. Hier wurde intensiv Braunkohle abgebaut, in den nahe gelegenen Fabriken und Kraftwerken weiterverarbeitet oder zur Stromerzeugung genutzt.

Die chemischen Abfallprodukte wurden in die vorbeiflie├čende Plei├če geleitet. In Leipzig kam diese nur noch als stinkende schwarze Chemiebr├╝he an. ┬á

10
"Plei├če ans Licht!": Wegen der starken Wasserverschmutzung und dem damit einhergehenden Gestank wurde der Plei├čem├╝hlgraben ab 1951 im Leipziger Stadtgebiet verrohrt. Erst nach 1990 holte man ihn nach und nach zur├╝ck "ans Licht".
11
Mehr Infos zu B├Âhlen und Espenhain? Klicke auf die Infopunkte.
12

Info

Warum zerst├Ârte die Braunkohle-Industrie den Fluss?

In der DDR fand die Braunkohleveredelung in verschiedenen industriellen Anlagen statt, wie beispielsweise in Brikettfabriken, Kraftwerken und anderen Verarbeitungsanlagen. Dabei wurde Braunkohle durch verschiedene Verfahren wie das LURGI-Sp├╝lgasverfahren oder die Schwelung veredelt, um verschiedene Produkte wie Briketts, synthetische Treibstoffe und chemische Grundstoffe herzustellen.

Das LURGI-Sp├╝lgasverfahren ist eine Methode, um Braunkohle in speziellen Fabriken zu veredeln. Stell dir vor, die Braunkohle wird erhitzt und in einem speziellen Ofen verarbeitet. Dabei wird Dampf eingesetzt, um die Kohle zu "reinigen" und in kleine St├╝cke namens Briketts zu verwandeln. Diese Briketts wurden dann als Brennstoff verwendet, um beispielsweise Strom oder W├Ąrme zu erzeugen.

Die Verschmutzung von Fl├╝ssen w├Ąhrend des Veredelungsprozesses von Braunkohle entstand aufgrund von zwei Hauptfaktoren:

Erstens, es wurden gro├če Mengen an Abfallprodukten erzeugt, die oft in Fl├╝ssen oder nahegelegenen Gew├Ąssern entsorgt wurden, ohne sie angemessen zu behandeln oder zu filtern. Diese Abf├Ąlle enthielten oft giftige Substanzen und Schwermetalle, welche die Wasserqualit├Ąt stark beeintr├Ąchtigten.

Zweitens wurden bestimmte Chemikalien zur Kohleveredelung eingesetzt. Wenn diese nicht ordnungsgem├Ą├č behandelt oder neutralisiert wurden, gelangten sie zus├Ątzlich als R├╝ckst├Ąnde oder durch Abw├Ąsser in Fl├╝sse und Gew├Ąsser und f├╝hrten zu einer erheblichen Verschmutzung.

├ťber den folgenden Link kannst du dich┬ágenauer ├╝ber die chemischen┬áAbl├Ąufen der Schwelung informieren.

Andreas Parnt/ Juliane Thieme, ABL

13

3. Offiziell vorbildlich

14
§

Urheber: Bundesarchiv, Bild 183-L0824-0308 / CC-BY-SA 3.0

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_183-L0824-0308,_Berlin,_Hans-Beimler-Stra%C3%9Fe.jpg?uselang=de

Cc3BYSA

Ministerium f├╝r Umweltschutz und Wasserwirtschaft in der Berliner Hans-Beimler-Stra├če (rechter Geb├Ąudekomplex)

Wie gesagt, eigentlich gab es in der DDR ja offiziell gar keine Umweltprobleme ... Denn bereits 1968 schrieb sich die DDR, als einer der ersten Staaten überhaupt, den Umweltschutz in seine Verfassung. 1970 wurde ein durchaus modernes "Landeskulturgesetz" erlassen, das die Ziele der DDR zu Naturschutz und Landschaftspflege regelte. Und 1972 richtete die DDR sogar ein Umweltministerium ein, 14 Jahre vor der Bundesrepublik.

Aber nicht nur das: Auf dem Papier hatten die B├╝rger:innen der DDR sogar das Recht, auf Missst├Ąnde aufmerksam zu machen, ihre Meinung zu ├Ąu├čern und sich in Vereinigungen und auf Demonstrationen zu versammeln, um ihre Interessen zu vertreten. Zumindest in der Theorie ...┬á

15
Umweltrechte B├╝rgerrechte
Ausgew├Ąhlte Umweltgesetze der DDR
Ausgew├Ąhlte B├╝rgerrechte der DDR-Verfassung
Umweltrechte B├╝rgerrechte
16
Umweltaktivist:innen schreiben eine Eingabe ÔÇô klicke auf das Ausrufezeichen.
17

Aufgabe

Juristisches

Lies dir die Eingabe in┬áElement 16 oben durch. Stell dir vor, du w├Ąrst Mitglied in der Umweltgruppe, die sie verfasst hat und h├Ąttest von deinen Mitstreiter:innen den Auftrag bekommen, die Eingabe noch etwas "juristisch aufzupolieren". Formuliere einen abschlie├čenden Absatz f├╝r die Eingabe, in der du erkl├Ąrst, dass┬á

  • die Verschmutzungen um Espenhain ein Staatsversagen sind bzw. einen Verfassungsbruch darstellen.
  • die B├╝rger:innen der DDR das Recht, wenn nicht gar die Pflicht haben, diese Verschmutzung ├Âffentlich zu kritisieren und dagegen zu protestieren.

Beziehe dich dabei auf konkrete Stellen und direkte Zitate aus den Gesetzestexten oben und versuche, die DDR mit ihren eigenen Ansprüchen zu konfrontieren. 

4. Die Praxis: Die B├╝rger:innen protestieren wirklich - was nun?

18

Wie konnte man die Bev├Âlkerung wachr├╝tteln und etwas unternehmen? Junge Leute der "Initiativgruppe Leben" riefen 1988 zu einem "Plei├če-Gedenkumzug" auf. Dies klang harmloser als "Demonstration" und da die Plei├če biologisch tot war, schien ein Gedenken die richtige Form zu sein.┬á

19
Frank Sellentin ├╝ber die Leipziger Oppositionsgruppen und sein Bed├╝rfnis nach "mehr action"
§

┬ę Archiv B├╝rgerbewegung Leipzig / ZZI - 029

Arrc
20

Info

Die Leipziger "Inititativgruppe Leben"

Schon 1981 setzten sich junge Leipziger:innen in der ÔÇ×Arbeitsgruppe Umweltschutz" (AGU), welche unter dem Dach der evangelischen Kirche angsiedelt war, f├╝r mehr Umweltschutz ein. Ihre Mitglieder gaben die Samisdat-Zeitschrift "Streiflichter" heraus und bauten schlie├člich eine Umwelt-Bibliothek auf. Sie boten Seminare an, erstellten Dokumentationen zum Zustand der Umwelt, wollten "mobil ohne Auto" sein oder pflanzten B├Ąume.

1987 spaltete sich die "Initiativgruppe Leben" (IGL) ab, welche in Bezug auf den Staat konfliktbereiter war. Die Aktivist:innen waren der Ansicht, dass f├╝r die Verbesserung der Umweltsituation grunds├Ątzliche Reformen in der DDR n├Âtig waren.┬áSie kritisierten den stark milit├Ąrisch gepr├Ągten Alltag in der DDR, schon im Kindergarten und in der Schule. F├╝r junge M├Ąnner, die keinen Wehrdienst ableisten wollten, forderten sie einen alternativen Dienst im sozialen Bereich. Sp├Ąter forderten sie in mutigen Aktionen B├╝rgerrechte wie Meinungsfreiheit, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit sowie Pressefreiheit ein. Wichtig war ihnen vor allem, die ├ľffentlichkeit zu erreichen und zu aktivieren und nicht wie bisher nur in kirchlichen R├Ąumen zu agieren.

21
Gezeigte Wasserprobe der Plei├če zum "Gedenkumzug" 1988
22
In historischen Fotos Im Zeitzeugeninterview
ABL/ Foto 061-002-19
§

┬ę Archiv B├╝rgerbewegung Leipzig / Christoph Motzer Foto 061-002-019

Arrc
Zum ersten Plei├če-Gedenkumzug 1988 zogen ├╝ber 200 meist junge Menschen schweigend an der Plei├če entlang und ├╝berquerten diese am Schleu├čiger Weg. Offiziell handelte es sich um eine "nicht genehmigte Demonstration". M├Âgliche Organisator:innen waren im Vorfeld von der Stasi vorgeladen worden, um sie von ihrem Vorhaben abzubringen. Doch sie lie├čen sich nicht einsch├╝chtern.
§

┬ę Archiv B├╝rgerbewegung Leipzig / Christoph Motzer Foto 061-002-024

Arrc
Der Umweltaktivist Rainer M├╝ller tr├Ągt ein selbstgestaltetes Transparent. Es bezieht sich auf Versprechungen in der DDR-Presse seit den 1950er Jahren, dass die Plei├če bald sauberer werden soll.
§

┬ę Archiv B├╝rgerbewegung Leipzig / Christoph Motzer Foto 061-002-032

Arrc
Der Fotograf Christoph Motzer, der dieses, die vorhergehenden und das folgende Foto aufgenommen hat, war in den 1980er Jahren in verschiedenen Leipziger Oppositionsgruppen aktiv und geh├Ârte zu den Fotografen der "Szene".
Christoph Motzer
§

┬ę Archiv B├╝rgerbewegung Leipzig / Christoph Motzer Foto 061-002-031

Arrc
Blick auf die Teilnehmenden der Abschlussversammlung des 1. Plei├če-Gedenkumzuges am 5. Juni 1988 im Clara-Zetkin-Park. Der Staat beobachtete das Geschehen, griff aber nicht ein.
ABL/ doku 001.008.001
§

┬ę Archiv B├╝rgerbewegung Leipzig / doku 001.008

Arrc
Der Aufn├Ąher zur Aktion war ein St├╝ck bedruckter Stoff, den man z.B. mit einer Sicherheitsnadel an der Kleidung befestigen konnte.
§

┬ę Archiv B├╝rgerbewegung Leipzig / Plakat 00010

Arrc
Das Veranstaltungsplakat f├╝r den Gedenkmarsch, hergestellt im Siebdruck-Verfahren, wurde in Schauk├Ąsten von unterst├╝tzenden Kirchgemeinden ausgeh├Ąngt. Sie wurden sp├Ąter von der Kirchenleitung angewiesen, das Plakat zu entfernen, da man Konflikte mit der SED f├╝rchtete.
ABL/ doku 001.008.002
§

┬ę Archiv B├╝rgerbewegung Leipzig / doku 001.008.002

Arrc
Die Handzettel zum Plei├če-Gedenkumzug waren ├╝ber den Verteiler der Arbeitsgruppe Umweltschutz (AGU) per Post verschickt worden.
Der Umweltaktivist Frank Sellentin erinnert sich an den 1. Plei├čemarsch 1988.
§

┬ę Archiv B├╝rgerbewegung Leipzig / ZZI - 029

Arrc
In historischen Fotos Im Zeitzeugeninterview
23

Info

... und im ARD-Drama

├ťber den folgenden Link findest du in der ARD-Mediathek den Film "Die unglaubliche Leichtigkeit der Revolution". In diesem wird zwischen Min. 32:10 und 34:30 der erste Plei├čemarsch filmisch nachgespielt.┬á

24

Aufgabe

Exkurs: Film und Authentizit├Ąt

Sieh dir den vorgeschlagenen Ausschnitt im ARD-Drama┬á"Die unglaubliche Leichtigkeit der Revolution" an. Im Ausschnitt wird immer wieder zwischen gespielten Szenen (in Farbe) und zwischengeschalteten Fotos (in schwarz-wei├č) gewechselt. Bei den Fotos handelt es sich zun├Ąchst um historische Aufnahmen vom Plei├čemarsch 1988 in Leipzig, sp├Ąter aber nicht mehr.

  1. Was wird auf den sp├Ąteren schwarz-wei├čen Fotos gezeigt?
  2. Warum nutzen die Filmemacher:innen die historischen und die anderen Fotos? Welchen Zweck erfüllen diese für den Film? Stelle Vermutungen an. 

5. Was einmal klappt ...

25

Der 1. Plei├čemarsch hatte, vielleicht auch zur ├ťberraschung der Veranstalter:innen, relativ unbehelligt von staatlicher Seite stattfinden k├Ânnen. Er f├╝hrte aber auch nicht zu einer Verbesserung der Wasserqualit├Ąt der Plei├če. Ein Jahr sp├Ąter gab es daher gute Gr├╝nde, eine weitere Aktion zu planen.┬áF├╝r den 4. Juni 1989 wurde also der 2. Plei├čemarsch vorbereitet, diesmal unter Beteiligung mehrerer Gruppen und der Kirche. Geplant wurde ein "Plei├čepilgerweg".

Doch diesmal bereitete sich auch der Staat darauf vor: der Pilgerweg wurde im Vorfeld verboten, man versuchte,┬áAktivistist:innen durch Zuf├╝hrungen unter Druck zu setzen oder sie wurden gleich┬áunter Hausarrest gestellt, durften also ihre Wohnung nicht verlassen, um teilzunehmen. Doch die geplanten Andachten zum Auftakt und zum Abschluss des Plei├če-Pilgerweges waren kirchliche Veranstaltungen, diese konnte der Staat nicht verhindern.

26
ABL/ Plakat 00011
§

┬ę Christlicher Arbeitskreis Weltumwelttag

Archiv B├╝rgerbewegung Leipzig / Plakat 00010

Arrc

Das Plakat zum zweiten Plei├čemarsch 1989, wieder im Siebdruckverfahren angefertigt.

§

┬ę Andr├ę Botz

Archiv B├╝rgerbewegung Leipzig / Doku 001.019.005

Arrc

Der urspr├╝ngliche Plan zum Ablauf der Veranstaltung ÔÇô wurde so von staatlicher Seite verboten.

§

Urheber: Bundesarchiv, StUA, MfS, HA IX, Nr. 1003, Bl. 94

https://www.stasi-mediathek.de/medien/massnahmen-zur-verhinderung-des-2-pleisse-gedenkmarsches-am-5-juni-1989-in-leipzig/blatt/94/

PDBYSA

Gegenplan des Staates: Harte Anweisungen des Ministers f├╝r Staatssicherheit zum Leipziger Plei├čemarsch

27

Aufgabe

Die urspr├╝nglich geplante Route

Vollziehe mit Hilfe des zweiten Dokuments in der Galerie oben und einer Onlinekarte wie openstreetmap┬áden geplanten Verlauf des zweiten Plei├čemarsches nach. Gehe dabei folgenderma├čen vor:

  • Notiere dir unten alle Ortsangaben aus dem Dokument in der richtigen Reihenfolge. Zwei Tipps: Ignoriere den Wildpark und das Plei├čewehr hei├čt "Schleu├čiger Wehr".
  • ├ľffne dann in einem neuen Tab die openstreetmap┬áund suche nacheinander die notierten Orte. Tipp: Oben rechts gibt es ein Suchfeld und als kleine Hilfe startet der Kartenlink mit der Paul-Gerhard-Kirche in Leipzig-Connewitz.
  • Was glaubst du, warum die Veranstalter:innen gerade diesen Weg laufen wollten?
28
§

┬ę Archiv B├╝rgerbewegung Leipzig / Karin Wieckhorst Foto 035-001-273

Arrc

Teilnehmer:innen des Plei├čepilgerweges am 4. Juni 1989 in Leipzig-Connewitz

§

┬ę Archiv B├╝rgerbewegung Leipzig / Karin Wieckhorst Foto 035-001-274

Arrc

Blick auf eine Polizeikette in der Leipziger Karl-Liebknecht-Stra├če

§

┬ę Archiv B├╝rgerbewegung Leipzig / Karin Wieckhorst Foto 035-001-269

Arrc

Nahaufnahme einer Polizeikette mit zwei Reihen in der Leipziger Karl-Liebknecht-Stra├če

29
Bericht von Teilnehmenden Bericht der SED
§

┬ę Archiv B├╝rgerbewegung Leipzig / Karin Wieckhorst Foto 035-001-273 (Original)

Arrc
Eingesprochenes Ged├Ąchtnisprotokoll von zwei Teilnehmer:innen des 2. Plei├čemarsches 1989
§

Urheber: Archiv B├╝rgerbewegung Leipzig

PD
§

┬ę Archiv B├╝rgerbewegung Leipzig / doku 009.001.084

Arrc
Bericht von Teilnehmenden Bericht der SED
30

Aufgabe

Widerspr├╝chliche Angaben

  1. Vergleiche den Bericht der Teilnehmer:innen mit dem der SED-Bezirksleitung. Nutze daf├╝r erneut die openstreetmap, um die Ortsangaben zu ├╝berpr├╝fen (Tipp: Die┬áSED-Bezirksleitung befand sich in der┬áKarl-Liebknecht-Stra├če 143). Wo stimmen die Berichte ├╝berein, wo widersprechen sie sich?
  2. Welchen Bericht h├Ąltst du f├╝r glaubw├╝rdiger? Begr├╝nde deine Antwort.
31

Aufgabe

Beurteilung

  1. Beurteile die Ereignisse w├Ąhrend des 2. Plei├čemarsches am┬á4.6.1989. Beziehe dich dabei ausdr├╝cklich auf deine Antworten aus Element 16.
  2. "Rechtstaatlichkeit ÔÇô also, dass sich alle, auch die Regierung, auch die Polizei, an die Gesetze halten m├╝ssen ÔÇô ist die wichtigste Grundlage eines freiheitlichen Staates." Nimm zu dieser Aussage begr├╝ndet Stellung, insbesondere zur Formulierung "wichtigste Grundlage".

6. Und heute?

32

Auch wenn die Plei├če mittlerweile wieder ziemlich sauber durch Leipzig flie├čt, ist das Thema Umweltprotest noch lange nicht Geschichte. Ganz im Gegenteil, in den letzten Monaten (ich schreibe das Ende 2023) war eine bestimmte Form des Umweltaktivismus ein Riesenthema in Deutschland: die Letzte Generation und ihr Protest gegen die, von ihr so wahrgenommene "Unt├Ątigkeit der Regierung bei der Verhinderung der Klimakatastrophe".┬á

33
Eigendarstellung Protestform Strafen und Reaktionen
Ansprache an die Bundesregierung: Stoppt den fossilen Wahnsinn!
§
Aktivist:innen der Letzten Generation ├╝ber ihre Organisation
Letzte Generation: Wie weit darf Klima-Aktivismus gehen? | neuneinhalb | WDR
§
Eine Bericht ├╝ber eine Stra├čenblockade der Letzten Generation
§
Ein Bericht ├╝ber juristische und politische Reaktionen auf die Letzte Generation
Eigendarstellung Protestform Strafen und Reaktionen
34

Aufgabe

Politische Stimmen zum Protest

Die S├Ątze unten stammen alle aus einer Landtagsdebatte 2022 in Sachsen-Anhalt zur Letzten┬áGeneration. Ordne zun├Ąchst nach┬áGef├╝hl die Aussagen den jeweiligen Abgeordneten zu, ├╝berpr├╝fen kannst du sie danach hier.

35

Aufgabe

Beurteilung

  1. Beurteile jetzt, wie Politik, Justiz und Gesellschaft in der Bundesrepublik mit den Klimaprotesten der Letzten Generation umgehen. Du kannst dich dabei auf das oben aufgef├╝hrte Material beziehen oder eigenes recherchieren. Gehe bei deiner Beurteilung auf folgende Aspekte ein:
    1. Protestanlass und -form
    2. Verh├Ąltnism├Ą├čigkeit: Verh├Ąltnis der Protestform zum Umweltproblem und Verh├Ąltnis der Reaktionen zum Protest
    3. Rechtsstaatlichkeit
  2. Vergleiche nun den Umgang der DDR mit Umweltprotesten mit dem in der heutigen Bundesrepublik.